NEU: 20 Jahre Meditations-Sangha (CH-Jona/Kempraten)

Zwanzig Jahre Sangha Jona
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Mattli2Das war eine Sternstunde. Eines Abends, im September 1996, sitzen Peter Kessler, mein Kollege aus Studienzeiten, und seine Frau Verena mit Freunden in einer Runde und spielen mit dem Gedanken, sich regelmässig in einer Sangha, einer von Thich Nhat Hanh inspirierten spirituellen Gemeinschaft zu treffen. Eine kecke Idee damals, denn noch war spirituelles Gedankengut nicht weit verbreitet. Doch der Funke zündet rasch. Man ist sich einig: Es braucht Alternativen zum überbordenden Wachstumsstreben und Materialismus. Flugs werden Gleichgesinnte gesucht. Ein paar Telefonanrufe genügen, und schon steht die erste kleine Gemeinschaft mit einem halben Dutzend Mitgliedern...

Peter und Verena, die im schweizerischen Rapperswil am oberen Zürichsee wohnen, bieten sich von Anfang an als Gastgeber an - und sie sind es bis heute geblieben. Sie sind für ein offenes Forum. So haben sich im Laufe der Jahre alte und junge Menschen verschiedenster Herkunft zu unseren zuerst wöchentlichen, später vierzehntäglichen Zusammenkünften getroffen. Das war zuweilen ein buntes Kommen und Gehen. Mit der Zeit konsolidiert sich indes der Kreis. Etliche sind über Jahre hinweg dabei und bilden fortan den Kern der Gruppe.

In der Regel sitzen wir zu zwei halbstündigen Meditationen und fügen jeweils in der Mitte eine Geh-Meditation ein. Im Anschluss finden wir uns zu einem meist regen Gespräch zusammen. Hin und wieder geben wir unseren Diskussionen einen festen Rahmen. Wir nennen diese "Aufmerksames Zuhören" und "Aufmerksames Gespräch". Da versuchen wir, gewisse Themen tiefer auszuloten.

Die Sangha zählt heute 15 Mitglieder. Meistens sind zwischen acht und zwölf anwesend. Das ist eine gute Größe. Sie erlaubt Austausch und Vertraulichkeit. Und die Teekanne reicht für alle.

Ende Oktober durften wir im Bildungshaus Mattli, in Morschach, hoch über dem Vierwaldstättersee in der Zentralschweiz, das zwanzigjährige Bestehen der Sangha feiern. Ein Fest der Besinnung, des Dankes, auch der Freude.

Ein Retreat ist für unsere Gruppe stets ein Höhepunkt, und so erleben wir auch an diesem Jubiläumsanlass, welche Energie im Austausch von Erfahrungen und Wissen steckt. Wir setzen keine Themen, wer möchte, liefert einen Beitrag. Da ist viel Platz und Raum für Toleranz.

Wir hinterfragen das Verhältnis des modernen Menschen zur Zeit, den medialen Overkill und das fast schon neurotische Hetzen durch den Alltag. Jemand erzählt, wie einer syrischen Flüchtlingsfamilie die Integration nicht gelingt, weil sie das Tempo unserer Gesellschaft überfordert. Was können wir für sie tun? - In einer DVD-Vorführung sehen wir ein eindrückliches Fernseh-Interview mit John Kabat-Zinn, der für Entschleunigung und Achtsamkeit eintritt. Auch philosophische Themen stehen im Raum: Annehmen, was ist. Anhaften und loslassen. Wann sind wir in Dogmen fixiert? Wie schwer fällt uns die schmerzliche Trennung von Menschen durch Krankheit und Tod? Anspruchsvoll wird es, wie wir uns mit Fragen des Glaubens und der Wahrheitsfindung des indischen Weisheitslehrers Krishnamurti auseinander setzen. Leichter, indes nicht minder profund ist das Thema Dankbarkeit. Der Film "Wenn die Schale überfliesst" und Zitate von David Steindl-Rast weisen auf die ungeheure Kraft der Dankeshaltung hin.

MattliDie Idee beflügelt uns zu einem eigentlichen Erntedankfest! Was in zwei Jahrzehnten Sangha gesät wurde, kann nun gepflückt werden. Wir schenken uns einen denkwürdigen Moment. Wir teilen Wein und Brot. Die Fotografien der gegenwärtigen und früheren Sangha-Mitglieder werden aufgereiht und zu einem Gesamtbild gefügt. Es erinnert uns an das gemeinsame Wirken. Ein Gefühl der Lebendigkeit, das uns zu Tanz und Gesang und einem sanften Abschluss der Tagung hinführt.

Basil Riesco (10-2016)